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Foodsaving: Ein Interview mit einer Retterin

Jeder bekommt es zu spüren: Alles wird teurer. Gleichzeitig ist es erschreckend, zu sehen, wie viel Gutes weggeworfen wird (laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ca. 11 Millionen Tonnen Lebensmittel/Jahr in Deutschland) . Beim Lebensmittelretten geht es vor Allem um diese zwei Punkte: Gute Lebensmittel vor dem Wegwerfen retten und nebenbei Geld sparen.
Doch wie läuft das ab? Lohnt es sich? Rebecca ist seit ein paar Monaten Lebensmittelretterin und berichtet…

Hallo Rebecca,

jetzt rettest du schon ein paar Monate Lebensmittel. Wann hast du das erste Mal davon gehört, dass das möglich ist?

Wann, das weiß ich nicht mehr – es ist auf jeden Fall schon sehr lange her. Auch nicht mehr, wie… Über einen Fernsehbeitrag oder so. Da hat es auf jeden Fall noch relativ in den Kinderschuhen gesteckt, jetzt ist es ja schon um einiges bekannter.

Warum bist du Lebensmittelretterin geworden? Und hast du dieses Ziel erreicht, oder sieht es in der Realität dann doch ganz anders aus?

Ich denke es gibt zwei Gründe, weshalb ich Lebensmittel rette:
Ein Grund ist, dass man aktiv etwas gegen Lebensmittelverschwendung machen kann. Das finde ich eine super Sache.
Der zweite Grund ist, dass ich dadurch auch noch einen Haufen Geld sparen kann.

Ob das Ziel erreicht wird: klar! Ich sehe ja, wie viele Lebensmittel weggeschmissen werden würden. Ich weiß nicht, ob es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber man kann zumindest ein bisschen was bewegen.
Geld sparen tue ich auf jeden Fall. Ich denke, dass wir die Ausgaben für Lebensmittel ungefähr halbiert haben, wenn ich das richtig einschätze. Ich mache es noch nicht so lange, deshalb muss ich mal gucken, wie sich das entwickelt.

Wie läuft das Abholen ab? Wie kann man sich das vorstellen?

Nachdem die ganze Vorarbeit der dafür im Verein Zuständigen geleistet ist (Kooperationsvertrag etc.) bekomme ich die Info, wann ich regelmäßig zum Retten kommen kann. Zum entsprechenden Termin fahre ich dann mit leeren Kisten hin und sage im Laden Bescheid, dass ich da bin. Daraufhin führen sie mich ins Lager und zeigen mir die Lebensmittel und Dinge (z.B. Blumen), die normalerweise in den Müll wandern würden, aufgrund der Kooperation jedoch im Kühlhaus aufbewahrt wurden. Dann sortiere ich vor Ort die Lebensmittel hinsichtlich Verwendbarkeit aus. Dafür gibt es genaue Richtlinien, die wir in einer Gesundheitsschulung lernen, Vieles sagt einem aber auch der gesunde Menschenverstand. Was noch gut ist, nehme ich mit nach Hause. Was nicht mehr verwendet werden kann (wegen Schimmel oder Übertreten des Verbrauchsdatums – nicht zu verwechseln mit dem Mindeshaltbarkeitsdatum!) wird in den dortigen Mülltonnen entsorgt.

Wie verwertest du die Lebensmittel am häufigsten?

Es kommt immer darauf an – ich weiß ja vorher nie, was ich bekomme. Und es ist tatsächlich immer sehr unterschiedlich. Grundsätzlich kann man sagen: Vor allem Obst und Gemüse möglichst zeitnah verwenden oder haltbar machen. Trockensachen halten sich auch mal länger.

Durch eine Einkochgruppe bei Facebook bekomme ich grundsätzlich viele Ideen, was ich machen könnte. Wenn ich Lebensmittel rette, und dann sehe, was es ist, setze ich mich daheim an Handy oder an den Computer und schaue nach, welches Rezept es gibt, bei dem ich vieles davon verwerten kann. Und einige Lebensmittel gebe ich auch weiter.

Einmal habe ich ganz viele Radieschen und sehr viel Spitzkohl bekommen – neben anderen Sachen, von denen es aber nicht so große Mengen waren. Aus dem Spitzkohl habe ich Krautsalat eingekocht und die Radieschen habe ich teilweise eingelegt, ganz viele aber auch weiter gegeben.
Ein anderes Mal waren es ganz viele Paprikas, da habe ich Paprikasuppe daraus gemacht und den Rest eingefroren.
Man braucht auf jeden Fall ein bisschen Lagermöglichkeiten – ein Gefrierfach oder ein Regal, oder beides.

Wohin kann man sich wenden, wenn man selbst Lebensmittel retten möchte?

Das kommt ein bisschen darauf an. Foodsharing.de ist die bekannteste Plattform. Dort kann man „Essenskörbe“ von Privatleuten abholen. Meistens entweder, weil sie in den Urlaub fahren und sie nicht mehr rechtzeitig verarbeiten können, oder weil sie selbst Lebensmittel retten waren und die Mengen den eigenen Bedarf überschreiten.

Es gibt aber nicht nur Lebensmittelkörbe, die man retten kann, sondern auch sogenannte „Fairteiler“, die man ebenfalls auf der Karte von foodsharing.de finden kann. Das sind Orte, zu und von denen man Sachen hinbringen und abholen kann.

Man kann auch dem Prozedere des Lebensmittelrettens folgen und Foodsaver werden – das heißt Lebensmittel direkt bei Supermärkten, Bäckerreien o.ä. abholen.
Ich selbst bin im Verein, der bei uns in der Siedlung ist, aber münchenweit rettet. Das ist Foodsharing & More. Für mich persönlich war das der einfachere Weg, da ich jemanden im Verein schon mehrere Jahre kenne. Deshalb war für mich die Hemmschwelle niedriger und sowieso ist der Aufnahmeprozess dort viel einfacher.

Welche Alternativen gibt es noch zu Foodsharing.de?

Da kenne ich mich, ehrlich gesagt, nicht so gut aus. Ich weiß, es gibt die App „TooGood to go“. Wir haben das auch schon mal gemacht, es lohnt sich für uns aber nicht so sehr. Zum einen da es oft fertige Gerichte sind und die Zeiten dann auch recht fix sind. Für uns als Familie war das nicht so praktikabel. Zum anderen gibt es bei uns nicht so viele teilnehmende Stellen. Wenn man aber flexibel ist, oder in einer Gegend wohnt, wo viele Gerichte weggegeben werden, kann das eine sehr gute Sache sein.

Seit kurzem gibt es auch bei Lidl „Rettertüten“. Da habe ich aber keinerlei Erfahrungen.
[Anmerkung von Annalena: Wir nutzen diese Tüten sehr gerne, treffen in der Regel leider aber leere Fächer an. Die Tüten sollten jedoch etwas durchgeschaut und nicht „blind“ gekauft werden.]

Es gibt auch noch Etepetete, das ist eine Gemüsebox, wo man Sachen kaufen kann, die so nicht verkauft werden würden. Die Sachen sind total in Ordnung, sie sind nur optisch nicht so ansprechend, weil die Karotten krumm sind, der Apfel nicht gleichmäßig gewachsen ist.. Die wird geliefert, kostet aber trotzdem.

Ansonsten habe ich ein paar Ideen, zum Thema Geld sparen und nachhaltig sein hinsichtlich Lebensmitteln in einem anderen Artikel festgehalten („Wie du bei Lebensmitteln Geld sparen und dabei auch noch nachhaltig werden kannst – 3+1 Tipps„.
Schau gerne mal rein – und ergänze hier order dort im Kommentar, falls du weitere Tipps hast! 🙂

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2 Kommentare

  1. Das finde ich eine richtig gute Sache. Danke für die vielen Tipps!
    Bei uns gibt es 2 Supermärkte, die bei ToGoodToGo mitmachen und da bekommt man dann z. B. eine große Tüte mit Obst und Gemüse für 4 €. Das lohnt sich für uns richtig. Allerdings muss ich aufpassen, dass ich es nicht übertreibe, damit nicht nachher die Lebensmittel bei uns in der Tonne landen statt im Supermarkt. 😉

    1. Annalena sagt:

      Ja, das stimmt… Ich bin auch in einer Signal-Gruppe, in der über Verteilungen informiert wird. Da geht es mir manchmal ähnlich.
      Und man muss auch schauen, ob es gerade zeitlich passt. Es soll ja eine Hilfe und keine Belastung sein.
      Aber wir haben uns schon echt viel Geld gespart mit von Anderen geretteten Lebensmitteln! 🙂

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