Anfang letzten Monats bekamen wir einen Anruf – meine Schwägerin S. ist gestorben. Ein Unfall. Vollkommen unerwartet. „Gott, warum?“ – diese Frage stellen sich viele in solchen Momenten. Ich auch, innerlich. Bei mancher Krankheit oder einem gewissen Alter weiß man, dass man mit dem baldigen Tod rechnen muss. Doch mit Unfällen rechnet man irgendwie nicht. S. stand mitten im Leben. War kurz davor, in verschiedenen Bereichen Dinge abzuschließen und Neues zu starten – ihre Ausbildung, sie wollte sich taufen lassen. Und das sind nur zwei der zahlreichen Dinge, die sie bis Ende des Jahres geplant hatte. Die Fingerpuppen für Weihnachten, die es hier auf dem Blog gibt, stammen auch von ihr.
Die Nachricht über ihren Tod war ein Schock.
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ToggleWas unsere Kinder wissen – und was nicht
Wir haben zwei Kinder, 4 und 6 Jahre alt, denen wir davon erzählen mussten. Sie wissen jetzt, dass ihre Tante gestorben ist. Und glücklicherweise auch, dass wir die Gewissheit haben, dass sie jetzt bei Gott in der Ewigkeit ist und wir sie dort wiedersehen werden.
Sie wissen jedoch nur, dass es ein Unfall war. Kein Autounfall, und S. und auch keine andere Person hat einen Fehler gemacht. Es wurde keine Regel missachtet (wie z.B. das Halten an der roten Ampel). Diese Informationen sind wahr. Das war der Grund. Und dieser Grund erklärt auch ein paar Dinge – zum Beispiel, weshalb es so unerwartet passiert ist.
Aber gleichzeitig enthalten wir ihnen auch sehr viele Informationen und Details. So viele, dass sie – in ihrem Alter – gar keine Fragen stellen können, die ich nicht beantworten will.
Nicht beantworten will, zu ihrem Schutz. Nicht, weil ich es böse meine. Nicht, weil meine Kinder mir nicht wichtig genug wären. Nicht, weil ich keine Lust zum Antworten hätte. Nein – sondern weil ich weiß, dass mehr Wissen sie massiv ängstigen würde. Über Monate. Es würde ihnen schaden und wäre schlimmer als ihre größten Befürchtungen, wegen denen wir aktuell nahezu jeden Abend ein zweites Mal beten, wenn sie im Bett liegen. Ich lüge sie nicht an. Doch ich enthalte ihnen Details, die sie nicht benötigen – aus Liebe.
Was mir dabei über Gott klar wurde
Und während ich darüber nachdachte, fiel mir auf: So ähnlich ist es auch mit unserem Vater im Himmel. Nur, dass er fehlerlos ist. Als ich darüber nachdachte, sind mir folgende Punkte wichtig geworden:
1. Tod ist keine Schöpfung Gottes.
So, wie er die Welt geschaffen hatte, gab es keinen Tod. Die Welt, die er mit „Es ist sehr gut!“ bewertet hatte, war ohne Sterben, ohne Leid, ohne Schmerz. Das heißt: Er findet das ebenfalls nicht gut und hat keinen Gefallen daran.
Ich brauche nichts Gutes daran zu suchen. Auch wenn ich gleichzeitig wissen darf: Er hat den Tod überwunden und ihm dadurch „den Stachel genommen“. Es ist nicht das finale Ende.
2. Gott ist gut. Nur Gutes kommt von ihm.
Daran darf ich mich festhalten, egal was mir passiert. Und darauf darf ich vertrauen – auch wenn ich Dinge nicht verstehe. Nicht verstehe, wie er Dinge zulassen kann.
3. Gott ist größer als wir. Viel größer.
Er hat mehr Informationen als wir. Weiß mehr. Sieht mehr. Versteht mehr. Er ist Gott – wir „nur“ Menschen.
So wie ich als Mutter deutlich mehr weiß als meine Kinder.
Und aus diesem Grund darf ich darauf vertrauen, dass es ok ist, wenn ich die Antwort auf die Frage „Warum? Und warum jetzt?“ nicht bekomme.
Wenn du Gott gerade nicht verstehst
Vielleicht kennst du das auch – nicht nur in der Trauer, sondern in ganz anderen Situationen des Lebens. Wenn Gott schweigt. Wenn du nicht verstehst. Wenn du haderst. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke genauso wie mir: Er weiß mehr als ich. Und er liebt mich trotzdem – oder gerade deshalb.
„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken höher als eure Gedanken.“
— Jesaja 55,8-9

Was uns in der Trauer geholfen hat
- Über das Geschehene reden
- Zeit nehmen und Ruhe.
- Beten – auch für uns beten lassen.
- Lobpreismusik. Nicht, weil es den Schmerz wegnimmt. Aber weil es den Blick auf den richtet, der größer ist.
- Mit den Kindern haben wir das Buch „Moritz nimmt Abschied“ gelesen
- Abschied am offenen Grab und eine Trauerfeier, beides im engsten Kreis (Familie und engste Freunde). Bei der Trauerfeier haben wir über Erlebnisse mit ihr geredet, Freunde haben für sie geschriebene Lieder vorgesungen…
Wenn du schon einmal in einer ähnlichen Situation warst und weitere Tipps hast, schreib mir gerne und lass Andere davon profitieren. Entweder im Kommentarfeld oder über die Kontaktmöglichkeit.
Wenn dich das Thema „Warum?“ beschäftigt, lies auch diesen Artikel: „Warum!?“ – Die große Frage nach dem Sinn.
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