Silikon-Cups und Massageöl auf einem Handtuch – Material zum Schröpfen zuhause
Aktion Sport & Gesundheit

Schröpfen zuhause: Was es bringt und wie es geht

Bei meiner Osteopathin habe ich es zum ersten Mal erlebt: Schröpfen. Oder Cupping, wie es auf Englisch heißt. Als sie meinte, dass ich mich auch selbst daheim schröpfen könne, und ich sah, dass die Cups mit etwa 13–20 € nicht zu teuer sind, besorgte ich mir welche.

Das war der Einstieg. Schröpfen zuhause gehört inzwischen fest zu unserem Alltag: Mein Mann und ich schröpfen uns regelmäßig, und das führte schon zu manch gemeinsamer Zeit und gutem Gespräch über Gott und die Welt. Manchmal auch wörtlich. 🙂

Wie im Einstiegsartikel dieser Serie geschrieben: Ich bin keine Ärztin. Was hier steht, kommt aus Kursen, Büchern, Sitzungen bei der Osteopathie – und vor allem aus eigener Erfahrung.

Was ist Schröpfen?

Schröpfen ist eine Art Massage, die mit Unterdruck arbeitet und dabei die Hände des Massierenden entlastet.

Früher verwendete man Glasgefäße, in denen man mithilfe von Feuer einen Unterdruck erzeugt hat. Um das Risiko von Verbrennungen auf der Haut zu vermeiden, nimmt man heute meistens Silikon-Cups – kleine Näpfe, die man einfach zusammendrückt, auf der Haut aufsetzt und wieder loslässt. Der Sog entsteht von ganz allein. Und dieser Sog ist eigentlich der ganze Trick. Eine normale Massage drückt von außen ins Gewebe. Schröpfen macht genau das Gegenteil – es zieht nach oben. Dadurch kommt man an Stellen, an die man mit Druck nur schwer herankommt.

Kurz zur Einordnung: Was ich hier beschreibe, ist das sogenannte „Trockenschröpfen“ – die Haut bleibt dabei unverletzt. Es gibt auch eine Variante, bei der die Haut vorher eingeritzt wird, dass ist aber nicht(!) das, worum es hier geht!

Zwei blaue Silikon-Cups in verschiedenen Größen auf einem Handtuch

Was das Schröpfen bewirkt

Das Schröpfen bewirkt, dass die Durchblutung an der behandelten Stelle deutlich zunimmt. Außerdem erreicht man die Faszien, das Bindegewebsnetz, das den ganzen Körper durchzieht. Faszien können verkleben und steif werden. Und sie leiten Zugkräfte über größere Strecken weiter – deshalb wirkt sich ein Problem an einer Stelle oft ganz woanders aus. (Das kennt man ja auch vom Unterschenkel, siehe letzter Artikel.)

Beim Schröpfen kann man im Test per Ultraschall sehen, dass sich die Gewebeschichten unter dem Cup verschieben. Ob genau das der Grund für die Besserung ist, weiß man aber noch nicht sicher. Manche Forscher vermuten, dass vieles davon über das Nervensystem läuft. Was ich aber sagen kann: Bei uns wirkt es.

Schröpfen zuhause – so geht’s Schritt für Schritt

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Material:

– Cups: Ich nehme ganz einfache Silikon-Cups (Link). 

– Massageöl: Beim Öl verwenden wir Massageöl von Kneipp oder das Massageöl Arnika von Weleda. Letzteres ist etwas teurer. Es hat den angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Körperwärme beim Verteilen des Öls überträgt (oder auch, wenn man z.B. während des Placings den Nacken massiert).

Generell geht es bei dem Öl darum, dass die Cups über die Haut gleiten können.
Günstiges Babyöl habe ich auch einmal probiert – hiervon würde ich aber abraten. Das Öl sammelte sich in den Cups während des Schiebens. 

Durchführung:

Zuerst die Stelle großzügig einölen. Bei zu wenig Öl bleibt der Cup stehen und zieht unangenehm.

Dann den Cup zusammendrücken, aufsetzen, loslassen. Jetzt entsteht der Unterdruck.
Und nun gibt es zwei Varianten:

1) Placing – der Cup wird  an einer Stelle platziert, an welcher der Rücken schmerzt. Dort lässt man ihn etwa 5-10 Minuten (sollte es unangenehm werden, ist es zu lange!). Der Körper erkennt ihn als Fremdeinwirkung und schickt verstärkt Heilzellen dorthin.
Diese Variante ist besonders gut geeignet, wenn ganz bestimmte Stellen verspannt sind oder schmerzen.

2) Sliding – der Cup wird langsam über die geölte Haut gezogen. Das ist die eigentliche Schröpfmassage. Ganz langsam heißt: Der Effekt geht in die Tiefe.
Zügiger heißt: Der Effekt bleibt eher oberflächlich.
Man kann hierbei auch mit zwei Cups arbeiten und sie gegenläufig hoch und runter gleiten lassen.

Am Rücken sind hierfür zwei Personen nötig. Schultern und Arme bekommt man aber auch alleine hin.

Es geht nicht darum, möglichst viel Sog zu haben – „mehr hilft mehr“ trifft, wie im letzten Artikel der Serie (Übungen mit dem Tennisball), auch hier nicht zu.
Fang lieber leicht an und taste dich über mehrere Anwendungen ran. Ist es unangenehm, dann ist es zu viel.

Und noch etwas, das ich gelernt habe: Jede Anwendung ist doppelt so effektiv, wenn sie mit Aufmerksamkeit ausgeführt wird. Also nicht nebenbei vor dem Fernseher – sondern bewusst.

Wo am Körper schröpfen – und wo besser nicht

Beim Schröpfen zuhause sind der Rücken, Schultern und Nacken, Oberschenkel und Waden gut geeignet.

Nicht schröpfen solltest du auf offenen Wunden, frischen(!) Narben, bei Krampfadern, entzündeten Stellen und direkt auf der Wirbelsäule. Im Gesicht würde ich es auch lieber unterlassen. Bei Vorerkrankungen, Narben oder in der Schwangerschaft frag lieber vorher jemanden, der sich auskennt.

Und die Flecken beim Schröpfen?

Als mein Sohn eines Morgens den Rücken meines Mannes sah, meinte er erstaunt:„Papa, du hast lauter Salamis am Rücken!“

Beim Schröpfen können runde rötliche Flecken entstehen. Sie heißen Petechien – winzige Einblutungen in der Haut. Doch diese Flecken schmerzen nicht und sind auch nichts Schlimmes: Der Körper fängt durch sie an, aufzuräumen. Er schickt Reparaturzellen an diese Stelle(n), um die eingelagerten Blutkörperchen wieder abzutransportieren. Und damit bringt er lokal den ganzen Stoffwechsel in Gang. Die Flecken sind also durchaus gut für den Körper – und nach wenigen Tagen wieder weg.

Wenn du sie im Sommer trotzdem lieber nicht hättest: schneller arbeiten und weniger Sog verwenden.

Hintergrundinfo: Woher kommt das Schröpfen?

Schröpfen ist uralt. Der älteste bekannte Beleg steht in einem ägyptischen Papyrus von etwa 1550 v. Chr. Es gibt jedoch gar nicht die eine Schröpftradition, sondern mehrere, die unabhängig voneinander entstanden sind und verschiedene Hintergründe haben.

Bei uns in Europa war Schröpfen jahrhundertelang normale Medizin, basierend auf der Säftelehre: Krankheit als Ungleichgewicht der Körpersäfte. Bis ins 19. Jahrhundert gehörten Schröpfköpfe in fast jede Hausapotheke. Die Theorie ist überholt, war aber nie esoterisch – einfach der Wissensstand ihrer Zeit.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist Schröpfen Teil der Lehre von Qi und Meridianen. Die fernöstliche Energielehre teile ich nicht – zumal Meridiane anatomisch nicht nachweisbar sind. Spannend finde ich aber, dass klassische Meridianverläufe oft genau mit unseren Bindegewebsschichten zusammenfallen. Die Menschen haben damals also reale physiologische Abläufe beobachtet, sie nur anders gedeutet: Die Beobachtung stimmte, die weltanschauliche Deutung nicht.

Für mich zeigt sich darin Gottes genaue Schöpfung: Seine biologischen Selbstheilungskräfte wirken im Körper, und Menschen haben sie über Jahrtausende intuitiv entdeckt und genutzt – selbst dort, wo sie den Schöpfer dahinter noch nicht kannten.

 

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin."
Tasse und Buch – Körper Seele Geist ganzheitlich pflegen
Psalm 139,14

Was denkst du?

Schröpfen ist eine der Sachen, bei denen ich mich frage, warum es nicht bekannter ist. Es kostet wenig, ist angenehm und tut spürbar gut.

Und für uns als Paar ist es noch mehr geworden als das.

Hast du Schröpfen schon mal ausprobiert? Schreib mir gerne in den Kommentaren!


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